Musik News Rückblick Januar 2019

1.Tidal Fake Streams

Seit dem 14. Januar 2019 wird in Norwegen gegen Tidal wegen der Fälschung von Stream-Zahlen für Beyoncé’s “Lemonade” und Kanye West’s “The Life Of Pablo” ermittelt.

Wie die norwegische Finanzzeitung Dagens Næringsliv in 2018 berichtete, habe Tidal die Aufrufzahlen für diese Alben in Höhe mehrerer hundert Millionen manipuliert. Dies führte natürlich zu Auszahlungen an die beiden, die diesen Zahlen entsprachen. Zu leiden hätten unter diesem (angeblichen) Betrug durch Tidal alle anderen Künstler. Diejenigen, die die Einnahmen tatsächlich eingespielt haben, bleiben bei der Ausschüttung aufgrund (rein optisch) weit geringerer Aufrufzahlen eben auch weit weniger berücksichtigt. Haben Beyoncé und Kanye West es nötig ihr Geld auf Kosten anderer Künstler zu machen? Mit Sicherheit nicht. Waren deren Streaming-Zahlen zu gering für deren Image? Vielleicht.

Seit dem 14. Januar ermittelt nun Norwegens Nationale Behörde zur Ermittlung und Verfolgung Wirtschaftlicher und Ökologischer Straftaten (Økokrim) gegen die Plattform. Bereits zu Beginn wurden vier ehemalige Mitarbeiter von Tidal vernommen.

Sollten die Ermittlungen ergeben, dass die Vorwürfe berechtigt sind, sollte nicht nur Økokrim Konsequenzen ziehen und Sanktionen verhängen. In diesem Fall sind alle anderen Künstler auf dieser Plattform ebenfalls dazu angehalten sich zu fragen, ob Tidal noch die richtige Plattform für sie ist. Zum einen gibt es genug andere, zum anderen gibt die äußerst lukrative Alternative des Eigenvertriebs.


2. Arrested Development NEW ALBUM: Craft & Optics

Hier ist es mir nicht möglich unparteiisch zu sein. Wer Hip Hop liebt und sich nicht nur im Mainstream tummelt, dem ist das neue Album von Arrested Development wärmstens ans Herz zu legen!

Speech über das neue Album “Craft & Optics”:

Reinhören HIER!!!

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3. Status Artikel 13

Von der Urheberrechtsreform und dem Ding mit den möglichen Upload-Filtern hat jetzt schon jeder etwas mitbekommen. Kernpunkt und Absicht dieses Gesetzentwurfs ist die Stärkung der Rechteinhaber auch gegenüber großen Plattformen, egal ob News, Musik oder anderes Material. Panikmache hier, Halbwahrheiten dort, ich möchte euch heute auf den letzen Stand bringen.

Nach dem üblichen politischen Hin und Her, sollte der Entwurf entgültig verabschiedet werden. Hierzu war nur noch die Zustimmung des EU-Ministerrates notwendig. Aufgrund des vorangegangenen Verfahrens schien die Verabschiedung von Artikel 13 eine sichere Sache zu sein. Am 21. Januar 2019 jedoch kam es ganz anders als gedacht; Die für eine Zustimmung des EU Ministerrates erforderliche Mehrheit konnte nicht erzielt werden. Beteiligte erbaten sich mehr Zeit, um einen Kompromiss zu erarbeiten. Damit ist die Angelegenheit scheinbar auf Eis gelegt. Es wird erwartet, dass die Verhandlungen hierzu erst nach den Europawahlen Ende Mai wieder aufgenommen werden.

Warum dies nicht vorher zumindest begonnen werden kann, ist mir ein Rätsel. Hoffentlich hat die Aufregung und Bewegung der “Online-Welt” dazu geführt, dass eine Lösung gefunden wird, die den Rechten der Kreativschaffenden ebenso Rechnung trägt wie den Anforderungen einer sozialen Haltung auch im digitalen Zeitalter. Ich spreche hier nicht vom Schutz von Urheberrechtsverletzungen, sondern von einer gesetzlichen Ausgestaltung des Fair-Use-Prinzips. Damit wäre uns allen geholfen.

Dranbleiben lohnt sich!

4. Nirvana verklagen Marc Jacobs International wegen Urheberrechtsverletzung

Kommen wir nun zu einem weiteren Fall absoluter Dreistheit.

Da hat dieser Modedesigner, ich mag seinen Namen gar nicht wiederholen, sich gedacht, er könne ohne vorherige Lizenzierung eine Ikone der Musik nutzen um seine neuste Kollektion zu verkaufen. Nicht nur wurde der ebenfalls ikonische Nirvana-Smiley auf diverse Artikel gedruckt, sondern ebenfalls wurde das Image von Nirvana zum Aufbau der Marketingkampagne genutzt, indem Textteile und Titel der Gruppe genutzt wurden.

Mit Sicherheit hat dieser Designer, der kein Neuling und mit Sicherheit ein professioneller Geschäftsmann ist, nicht gedacht, er könne ganz ohne Ärger davonkommen. Solange es kein Statement gibt, kann ich nur vermuten. Manche Menschen nehmen Strafzettel in Kauf, andere ein Gerichtsverfahren wegen Urheberrechtsverletzung. Es wäre taktisch logisch und vernünftig, die Kosten dafür bereits im Marketingbudget, vielleicht versteckt, unterzubringen. Ansonsten hilft hier wahrscheinlich die Portokasse. Aber gerade weil es sich hier bei beiden Parteien nicht um kleine Fische handelt, könnte man sich wundern, warum dies nicht vor Launch der Kampagne geklärt wurde. Oder man denkt, auch schlechte Publicity ist Publicity…

Vergleicht folgende Bilder und lasst mich wissen, was IHR denkt:

https://static1.squarespace.com/static/553fdbaee4b0d82b91dbde7d/t/5c27863670a6adae0b175909/1546094153976/?format=750w

5. Bushidos Image bröckelt

Kurz und bündig: Ein Gangsterrapper mit Polizeischutz? Wenn’s sein muss, führt kein Weg daran vorbei. Mein Stichwort dazu: “eigenverantwortliche Selbstgefährdung”. Peace

6. Seit neuestem in der Public Domain

Allen die an Kreationen interessiert sind, die sich der digitalen Allmende (public domain) befinden, kann ich folgende Seite empfehlen: https://babel.hathitrust.org

Hier könnt ihr verschiedenste Suchkriterien nutzen und bekommt eine riesige Sammlung von Werken angeboten. Seit Januar 2019 ist ein immenser Katalog hinzugekommen von Werken, die im Jahre 1923 veröffentlicht wurden.

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